Tee im Siebträger?

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 Tee und Siebträger - Passt das zusammen?

 

Auf der Suche nach der perfekten Zubereitung unseres Blatt-Tees haben wir schon so allerhand ausprobiert. Neben den Parametern Temperatur, Zeit und Wasserhärte ist uns, als passionierten Kaffeeröstern und -trinkern, während des Testens etwas in den Sinn gekommen. Wieso nicht Druck als Parameter mit in die Überlegung einbeziehen. Genau wie bei der Kaffee- oder besser Espressozubereitung lässt sich hiermit ein vielfältiges Ergebnis erzielen.

Bei der Espressozubereitung wird der Druck, mit dem das Wasser durch das feine Kaffeemehl gepresst wird, genutzt um in angemessener Zeit die gewollten, leichtlöslichen Stoffe und Aromen des Kaffees in einem wunderbaren Getränk einzufangen. Hierbei wird die Extraktion von unerwünschten Bitterstoffen und Ähnlichem, durch das kurze Verfahren vermieden. Dieses Verfahren geht also einen völlig anderen Weg als beispielweise eine Pressstempelkanne (French Press). Bei diesem wird das Kaffeemehl lange aber ohne Druck mit dem heißen Wasser versetzt.

Oft haben wir festgestellt, dass uns der Tee nach einer zu langen Ziehzeit geschmacklich weniger zugesagt hat. Es bedarf schon einiger Übung hier den richtigen Zeitpunkt nicht zu verpassen, vor allem bei Brühwasser mit einer Temperatur über 78° ist dieser Punkt schnell erreicht. Also haben wir bei unseren grünen und schwarzen Blatt-Tees lange experimentiert. Hier einmal 2 Grad mehr, da einmal 13 Sekunden länger ziehen lassen.

Wenn wir schon auf so einem verrückten Niveau sind, haben wir uns gedacht, warum nicht den Tee mit unserer Siebträgermaschine kochen? Das Prinzip würde dem des Espressokochens entsprechen: sehr heiß - sehr kurz - viel Druck. Es würden sich willkommene Aromen lösen, einige nicht so schnelllösliche Bitterstoffe würden jedoch in den Blättern bleiben. Gedacht, gesagt, getan!

Erstes Ausprobieren erste Ernüchterung. Der Tee ist natürlich wesentlich heterogener als feines Kaffeemehl und um einen hohen Druck im Träger zu erzeugen muss das Wasser einen hohen Wiederstand haben. Da hierfür die vielen Lücken im "Teemehl" sehr contra produktiv sind, haben wir die Teeblätter leicht in der Hand zerrieben um möglichst viel in den Siebträger zu bekommen. Anschließend mit dem Tamper so fest wie möglich angepresst, in die Maschine eingespannt und einfach mal ausprobiert.

Das darauf folgende Ergebnis war überraschend gut. Wir haben mit unserem schwarzen nepalesischen Bio-Blatt-Tee begonnen. Der Tee, der gerade einmal 15-20 Sekunden durch die Maschine lief, schmeckte sehr aromatisch, jedoch nicht so herb und blumig wie ein konventionell gebrühter Tee. Wahrscheinlich ist aufgrund der kurzen Kontaktzeit mit dem Wasser auch der Koffeingehalt des Tees niedriger. Der Geruch der Teeblätter nach der Zubereitung war unglaublich intensiv, zum einen typisch nach schwarzem Tee, aber auch sehr fruchtig wie Roibuschtee.

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Es war eine spannende Erfahrung unseren eigenen Tee einmal so anders zu genießen. In der darauf folgenden Zeit haben wir unser kleines Experiment noch mit unserem grünen nepalesischen Bio-Blatt-Tee wiederholt. Bei dem grünen Tee ist der Unterschied noch deutlicher zu schmecken, da dieser vielen Menschen oft zu stark und bitter schmeckt, wenn er lange in heißem Wasser liegt. Bei der Siebträger-Methode ist der Tee kaum bitter und schmeckt wunderbar sanft. Überraschenderweise ist der grüne Tee bei dieser Zubereitung viel dunkler. Nachdem der zweite Tee getestet war gab es keine Grenzen für Feinjustierungen mehr. Schnell kam die Idee auf den Tee in den Siebträger zu pressen, kurz einen Wasserbezug zu tätigen und den dann feuchten Tee einige Zeit im Träger ziehen zu lassen, ehe man die komplette Tasse durchlaufen lässt. Dieses kurze ziehen und quellen lassen erhöht auch den Druck im späteren Wasserbezug, da die Blätter sich entfalten. Außerdem haben wir den Tee nun in verschiedenen Mahlgraden getestet (dies ist meiner Meinung nach nicht zu empfehlen, da der Tee extrem intensiv und bitter wird). Hier sind genau wie bei der Kaffeezubereitung den Ideen und Möglichkeiten keine Grenzen gesetzt und wer so gerne tüftel wie wir wird seinen Spaß und vor allem Genuss haben. 

Wie bei allen Lebens- und Genussmitteln sind die Geschmäcker zum Glück verschieden. Testen Sie diese Art der Zubereitung und machen Sie sich ein Bild. Für einige gibt es mit Sicherheit eine bessere!

 

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Wer auch verrückt nach Kaffee und/oder Tee ist und in der glücklichen
Lage eine Siebträgermaschine zu besitzen, sollte unser Experiment
unbedingt zuhause einmal probieren. Spielen sie etwas herum. 
Sie werden begeistert sein, welche neuen Getränke auf sie warten.

 

Guten Appetit herzlichst ihr Peter Winkler

 

Tags: Tee

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