Bio & Demeter – Bürokratie, Auflagen und ihre Folgen für kleine Betriebe

Ein einfaches Glas Demeter-Chutney – nur ein Beispiel, doch ein großes Thema im Hintergrund.

Es gab Zeiten, da haben wir aus dem, was die Saison üppig hergab – Mango, Rhabarber, Johannisbeeren, Zucchini, Kürbis, Paprika – kleine Chutney-Serien gekocht. 150 oder 200 Gläser. Jedes Mal ein wenig anders. Je nachdem, was wir aus der Nähe – Biohof Bursch, Bio-Obsthof Nachtwey, Haus Bollheim … – günstig bekamen und welche Gewürze besonders schön harmonierten. Das war unsere lebendige Hofküche. Handwerk. Kreativität im Rhythmus der Natur.

Chutney Produktion

Heute ist das bei uns so nicht mehr möglich. Denn bei „Bio“ – und erst recht im Demeter-Bereich – bedeutet jede noch so kleine Rezeptveränderung eine formale Anpassung: Jede geänderte Zutat. Jede Gramm-Verschiebung. Jedes neue Gewürz.
Alles muss genau dokumentiert und jede Änderung der Ökokontrollstelle gemeldet und genehmigt werden. Das Etikett ebenfalls. All dies kostet viel Zeit und Geld. Wenn man dann ehrlich rechnet, bleibt vom vermeintlichen Gewinn einer kleinen, saisonalen Charge oft kaum etwas übrig.

Deshalb gibt es bei uns derzeit nur noch eine Sorte: unser Demeter-Apfelchutney. Beständig. Geprüft. Genehmigt. Beste Qualität. Äußerst lecker. Und immer passend, das ganze Jahr. Doch zugegeben: Was vernünftig klingt, fühlt sich dennoch manchmal wie ein Verlust an. Denn Vielfalt, Spontaneität und handwerkliche Freiheit gehören eigentlich auch zum Wesen lebendiger Nahrungsmittel. 

Der kurze Blick, was hinter dem Begriff Bürokratie und dem Wunsch nach „Bürokratieabbau“ so steckt, soll ein Thema einleiten, was uns vor kurzem einmal mehr betroffen machte … 

Wie Bürokratie und Auflagen Bio- & Demeter-Betriebe belasten

Manche geben auf –
andere wagen und schaffen es … 

Wir holen unsere Bio-Rohwaren direkt bei den Menschen im Ursprung. Deshalb sind wir immer Teil der Ereignisse – ob hoffnungsvoll oder erschütternd.

Komm mit hinter die Kulissen. Nicht um zu verunsichern oder zu belasten, sondern um ein gemeinsames Verständnis wachsen zu lassen. Denn nur informierte Kundinnen und Kunden können Teil einer Lösung sein.
Heute geht es um unseren Kaffee.

Vor Kurzem erreichte uns völlig überraschend eine E-Mail von einem langjährigen Bio- und Demeter-Rohkaffee-Partner. Wir waren sprachlos.
Ein renommierter Betrieb mit zahlreichen Auszeichnungen. Strukturiert, professionell organisiert. Bio-Pionier aus Überzeugung – seit über 25 Jahren zertifiziert.
Doch Klimawandel, ökonomische Spannungen und ökologische Herausforderungen erreichen uns alle auf dem Globus.

„With deep regret and heartfelt pain, we would like to inform you that we are discontinuing the organic and biodynamic cultivation.“

Am Ende schreibt er (übersetzt): „Auch in Zukunft werden wir unseren Betrieb als konventionelles Landgut mit Rainforest Alliance- und Fairtrade-Zertifizierungen fortsetzen und uns weiterhin für ethische und nachhaltige Praktiken einsetzen.“

Die Gründe, einen Bio-Status aufzugeben, sind so vielfältig wie die landwirtschaftlichen Betriebe selbst. Manche sind schlicht erschöpft. Die bürokratischen und sich ständig wandelnden Anforderungen der Zertifizierungsverfahren – besonders im EU-Import – werden von unseren Freunden in Indien und Nepal immer wieder als zermürbend, überfordernd und wirtschaftlich kaum tragbar beschrieben.

Und doch bedeutet das nicht automatisch das Ende ökologischer Anbaumethoden. Nicht das Ende eines verantwortungsvollen Wirtschaftens. Und schon gar nicht das Ende eines Betriebs.
Warum auch? Die Nachfrage im eigenen Land nach hochwertigem Spezialitätenkaffee wächst rasant. In Indiens Millionenstädten genießt man heute Espresso, Cappuccino oder Cortado mit derselben Begeisterung wie in Europa.

Für uns bedeutet das weiterhin: Rohkaffee und Gewürze, die wir importieren, müssen lückenlos geprüft und zertifiziert sein. Der administrative Aufwand steigt – auch auf unserer Seite. Die Unterstützung unserer Partner mit dem Formular-Dschungel, die Suche nach neuen Farmern, der Aufbau vertrauensvoller Beziehungen: All das braucht Zeit, Geduld und Hingabe. Auch die gewünschte Qualität entsteht nicht über Nacht.

Peter ist international gut vernetzt in der Bio- und Demeter-Szene. Und doch beginnt man immer wieder von vorne.

Die Tatsache, dass die Nachfrage nach Caffè Casolo und TRUEDY Gewürze stetig wächst, ist mit das Schönste an den vielen Geschichten. Dafür sagen wir Danke! Und wir bleiben hoffnungsvoll – für unsere Partner, für unsere gemeinsame Arbeit und für die Erde der Zukunft.

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