Canephora und Arabica aus Indien
Im Urwald der Western Ghats
Seit 2004 importieren wir Rohkaffee aus Indien – Arabica und Canephora – aus ökologischem und biodynamischem Anbau. Heute ist Indien als Herkunftsland in der Spezialitätenkaffeeszene etabliert. Das war mal anders: Nur wenige wussten überhaupt, dass dort Kaffee angebaut wird – und schon gar nicht in dieser Qualität.
In Indien sind Kaffeeplantagen wie Urwälder, oft mit Gewürzpflanzen, Obstbäumen und hohen Schattenbäumen. Das schützt den Boden, fördert gleichzeitig Artenvielfalt und Aromenreichtum. Unsere Kaffeefarmer setzen auf Handernte, damit ermöglichen sie, dass nur reife Kirschen gepflückt werden. Wie daraus Rohkaffee wird und warum Canephora/Robusta unser Highlight ist – das zeigen wir hier.
Ursprung: Bio Kaffeeanbau in Coorg
Aller Anfang ist die Pflege der Erde
Die Geschichte unseres Rohkaffees begann nicht mit Sortencupping oder Notenprofilen, sondern mit unserer Überzeugung: Landwirtschaft muss aufbauend, ökologisch und im Einklang mit den Menschen funktionieren, die sie betreiben – auch im Kaffeeanbau.
Ein alter Freund, Ludwig Krämer war es, der uns erstmals Zugang zum südindischen Hochland ermöglichte. Er lebte dort, baute auf der Golden Mist Plantation Tee, Reis und Kaffee an. Konsequent ökologisch, ein „Bio-Mensch“ aus Überzeugung. Was ihm wichtig war, wurde zur Verbindung.
Er ging auf benachbarte Farmer zu, sprach über EM – effektive Mikroorganismen und erzählte ihnen von seinen Erfahrungen. Mit seinem offenen Herzen war ein wichtiger Schritt getan. Eine kleine Gemeinschaft von Bio-Farmer:innen in der Region Coorg entstand: zum Austausch, zur gegenseitigen Unterstützung und für eine erfolgreiche Entwicklung der ökologischen Landwirtschaft.
Zu Karnataka kommen Kerala und Tamil Nadu
Coorg Coffee Connection – ein Netzwerk mit Wurzeln.
Bharath, von der Craigmore Estate, gehörte damals schon dazu – mit ihm verbindet uns bis heute eine direkte Zusammenarbeit. Weitere Farmen folgten, auch in Kerala und Tamil Nadu. Der Name Coorg Coffee Connection blieb als geistiger Ursprung bestehen, auch wenn das Netzwerk längst über Coorg/Kodagu hinausgewachsen ist.
Die Spezialitätenkaffeeszene entwickelte sich rasant und wir positionierten uns darin früh mit einem klaren Fokus. Qualität, ja. Aber eingebettet in ökologische Strukturen.
Dass unsere Kaffees heute auch in Röstereien geschätzt werden, die in erster Linie auf das Processing schauen – losgelöst von Bio-Standards – bestätigt uns: Bio schmeckt. Wie bei den Gewürz-Rohwaren wollten wir anfangs Rohkaffee nur für die eigene Rösterei. Auch durch Zahlung fairer Preise, bekamen wir immer mehr Rohkaffee angeboten und teilten ihn mit Rösterkolleg:innen.
Auf den indischen Bio-Kaffee-Farmen
Vom Verstehen, Beobachten und Begreifen
Die üppige, urwaldähnliche Umgebung, Tiere, Pflanzen, die hohe Biodiversität. Eine Farm ist ein lebender Organismus. Und beim Anbau geht es um die lebendige Erde – die Pflege der Pflanzen, das Gedeihen, das Beobachten der Reifung, sowie des Monsuns.
Wenn die Kirschen schließlich rot sind, beginnt eine andere Phase: die Handernte und Verarbeitung. Ob nass, trocken oder halbtrocken verarbeitet wird, jede Farm entscheidet sich für ihre Methode anhand der Gegebenheiten, der Gesamtumstände.
Allen ist klar: Die Aufbereitungsmethode hat einen großen Einfluss auf den Geschmack und die Aromen des Kaffees.
Ob Vermehrung, Pflanzenschutz durch Mischkulturen oder Ernte-Rhythmen, all das ist unser gemeinsames Lernfeld. Die Eigenschaften und Wirkungen des Processing – waschen, fermentieren, trocknen – wurden uns dabei ebenso vertraut wie die Umstände, unter denen sie realisiert werden.
Von der Farm in die Curing Works
Schälen, sortieren, einsacken
Jetzt beginnt die Phase, in der der Kaffee von Raw Coffee zum fertigen Rohkaffee wird – in der sogenannten Curing Works, einer spezialisierten Trockenmühle.
Hier werden die getrockneten Bohnen von ihren Häuten befreit. Danach durchlaufen sie mehrere Stationen. Zuerst trennt ein Gravity Sorter die schweren, ganzen Bohnen von leichten oder defekten. Danach sortiert ein Siebsystem (Screener) die Bohnen nach Größe. Ein Color Sorter kontrolliert mit hochauflösender Kamera die Bohnen auf ihre Färbung – Abweichungen werden punktgenau mit Druckluft aussortiert. Und schließlich folgt noch eine sorgfältige Handsortierung.
Erst dann darf der Kaffee in unsere 30-Kilo-Säcke – jeder mit eigenem Etikett. Ein leerer Container wird bestellt und bis zu 700 Säcke werden per Hand exakt gestapelt. 6–8 Wochen später laden wir sie wieder aus. Unser Rohkaffee ist bereit für Caffè Casolo oder Weiterverkauf.
Indischer Canephora: Qualität, die überrascht
Auch unsere Arabicas sind gefragt
Bei den Kaffeeröster:innen haben wir einen Namen: für beste indische Bio-Canephoras. Damit hatten wir nicht gerechnet. In der Szene für Spezialitätenkaffee überwiegten lange Zeit die Arabica Liebhaber:innen. Robusta, wie Canephora im Handel meist genannt wird, hatte ein festgefahrenes, eher schlechtes Image: erdig, bitter, rustikal.
Nur wenige Stimmen, meist leise, äußerten ihre Wertschätzung für das, was unseren Geschmack trifft. Dunkle Schokolade, kräftige Fülle, weniger Säure, aber eine stabile Crema.
Plötzlich wurde alles anders. Canephora ist gefragt, wird geradezu gehypt und ist längst aus dem Schatten der Arabica-Königin herausgetreten. Was vielleicht dazu beiträgt, die Nachfrage und die Preise auf den Kopf zu stellen. Durch das Feedback anderer Röstereien, die bei uns Rohkaffee einkaufen, wurde uns bewusst, wie außergewöhnlich unsere Canephora-Qualitäten wirklich sind.
Herkunft Details: nicht nur für unsere Röster-Kolleg:innen
Ihr wisst, dass hinter jeder Tasse Kaffee nicht nur Aromen stehen, sondern Beziehungen, Vertrauen und viel gemeinsame Arbeit.
Alle detaillierten Informationen zu Herkunft, Farm, Aufbereitung, Varietäten und Cupping-Notes folgen in Kürze auf unserer import.bio-Webseite – übersichtlich, aktuell und zum Herunterladen für eure eigenen Seiten.

































